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Konzept zur friedlichen Konfliktlösung

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Seit November 2018 arbeiten wir in unserer Schule mit dem Projekt „Giraffensprache“. Ziel ist es, dass Kinder lernen, Konflikte friedlich und selbstständig miteinander zu lösen. Das will gelernt sein!

 

 

Konkret wollen wir unsere Schüler dabei unterstützen, dass sie …. 

… in Konflikten für die eigenen Interessen eintreten, ohne den Konfliktpartner „runter zu machen“

… sich klar und verständlich ausdrücken 

… Bewertungen in Informationen über das eigene Befinden übersetzen und nicht in Situationen

      hineininterpretieren 

… ihr Selbstwertgefühl innerhalb der Gruppe und Klasse stärken

… Gefühle und Bedürfnisse verbalisieren

… Ich-Botschaften statt Du-Botschaften (=Vorwürfe) senden

… „Nein“ sagen ohne abzuwerten, nicht immer werden alle Wünsche und Bedürfnisse erfüllt!

 

Was steckt hinter diesem Projekt?

Die Giraffensprache geht zurück auf ein Konzept des amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg (1934 – 2015). Er untersuchte das Konfliktverhalten von Menschen und entwickelte auf Basis seiner Ergebnisse das Konzept der „gewaltfreien Kommunikation“ (GFK). Es soll Menschen ermöglichen, im Konfliktfall respektvoll miteinander umzugehen und Konflikte konstruktiv miteinander zu lösen. Denn Konflikte gehören zum Alltag und sind für sich genommen nichts Negatives. Konflikte sind per Definition lediglich das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Bedürfnisse oder Ziele. Problematisch ist jedoch unser Umgang mit Konflikten. Rosenberg setzte in vielen Krisengebieten auf der Welt (Israel, Palästina, Ruanda) sein Konzept mit Erwachsenen um. Auch in Serbien wurde es mit Unterstützung durch UNICEF in serbischen Kindergärten und Schulen eingesetzt.

 

 

Warum ist dieses Konzept etwas für unsere Schule?

Das Konzept der Giraffensprache besteht lediglich aus 4 Schritten, die unsere Schüler erlernen müssen. Somit ist es für Kinder leicht zu lernen. Schließlich hat sich das Konzept bewährt, denn es wird bereits in vielen Schulen mit spürbaren Erfolgen eingesetzt. Jedes Jahr – zu Anfang des Schuljahres – besprechen wir in einer Schulversammlung, worauf es ankommt. Unsere neuen Erstklässler erlernen die Schritte in einem eigenen Kurs.

 

  

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Kinder in der Lage sind, die Giraffensprache anzuwenden?

Unsere Schüler lernen, Gefühle zu erkennen und über diese zu sprechen. Dazu bedarf es eines Gefühle-Wortschatzes, der in der Schule aufgebaut und immer wiederholt wird. Unsere Schüler lernen zudem, Bedürfnisse zu erkennen und diese in Worte zu fassen. Auch dies muss erlernt werden, Formulierungen müssen erarbeitet werden. Umso wichtiger ist es, diese Formulierungen regelmäßig zu trainieren.

 

In unserem Schulhaus sowie im Pausenhof sind Gesprächsecken eingerichtet, in denen sich unsere Schüler zur Konfliktlösung zurückziehen können. Teppiche, auf denen die 4 Schritte der friedlichen Konfliktlösung abgebildet sind, sollen den Kindern dabei helfen.

 

 

 

 

Hier ein Beispiel:

Dies ist eine Situation, wie sie in der Pause zu beobachten ist:

 

Tim hat sich die ganze Zeit darauf gefreut, mit Paul in der Pause Fußball zu spielen. Er kommt allerdings erst 5 Minuten nach Pausenbeginn hinaus und sieht, dass Paul bereits mit Stefan spielt. Tim stürmt auf den Platz und schreit Paul an: „Du bist so gemein! Ich spiele nie mehr mit dir Fußball!“ Er nimmt den beiden Jungs den Fußball weg und läuft davon. Paul schreit zurück: „Du spinnst ja! Du bist nicht mehr mein Freund!“ Paul und Stefan rennen Tim hinterher. Sie versuchen, den Fußball zurückzuholen und schubsen dabei Tim auf den Boden.

 

 

Erklärung:

Tims Bedürfnis, mit seinem Freund Paul zu spielen, bleibt unerfüllt. Er ist wütend, frustriert und hat vielleicht Angst, dass Paul nicht mehr sein Freund sein möchte. Anstatt mit Paul darüber zu sprechen, reagiert er mit Angriff (verbal) und die Situation gerät außer Kontrolle.

 

 

 

 

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Tim könnte versuchen, diesen Konflikt friedlich zu lösen. Dabei helfen die 4 Schritte:

1. Ich sage, wie es mir gerade in der Situation geht.

2. Ich begründe, warum es mir so geht.

3. Ich sage, was ich mir in der Situation wünsche.

4. Ich äußere ganz konkret eine Bitte, einen Vorschlag.

 

Mein Gegenüber hat die Möglichkeit meinen Wunsch zu erfüllen, er kann aber auch nein sagen. Das muss ich dann akzeptieren.

 

Für Tim heißt das, er sagt seinem Freund, dass er traurig ist, weil Paul gerade mit einem anderen Jungen spielt. Er würde aber sehr gerne mit Paul Fußball spielen. Deswegen bittet er seinen Freund, dass er mit ihm spielt.

Paul könnte vorschlagen, dass sie zu dritt spielen können oder er in der nächsten Pause mit ihm spielt.

 

Schatzsuche

Schnell sind wir dabei, anderen zu sagen, was sie falsch machen. Wir möchten die Schüler auf gutes Konfliktverhalten aufmerksam machen. Deswegen laden wir unsere Schüler dazu ein, aufzuschreiben, wenn sie Mitschüler dabei beobachtet haben, wie sie vorbildlich einen Streit gelöst haben. Diese positiven Beispiele stellen wir für alle gut sichtbar in der Schule aus. Sie sind Motivation und Beispiel dafür sein, dass Konflikte friedlich gelöst werden können.

Fotoapparat