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Giraffensprache

Konfliktlösung

 

Auf ins GiraffenparadiesGiraffe
Im November startet unsere Schule mit dem Projekt „Giraffensprache“. Ziel ist es, dass Kinder lernen, Konflikte friedlich und selbstständig miteinander zu lösen. Das will gelernt sein und deswegen wollen wir uns gemeinsam auf den Weg machen.


Was steckt hinter diesem Projekt?

Die Giraffensprache geht zurück auf ein Konzept des amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg (1934 – 2015). Er untersuchte das Konfliktverhalten von Menschen und entwickelte auf Basis seiner Ergebnisse das Konzept der „gewaltfreien Kommunikation“ (GFK). Es soll Menschen ermöglichen, im Konfliktfall respektvoll miteinander umzugehen und Konflikte konstruktiv miteinander zu lösen. Denn Konflikte gehören zum Alltag und sind für sich genommen nichts Negatives. Konflikte sind per Definition lediglich das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Bedürfnisse oder Ziele. Problematisch ist jedoch unser Umgang mit Konflikten. Rosenberg setzte in vielen Krisengebieten auf der Welt (Israel, Palästina, Ruanda) sein Konzept mit Erwachsenen um. Auch in Serbien wurde es mit Unterstützung durch UNICEF in serbischen Kindergärten und Schulen eingesetzt.


Warum ist dieses Konzept etwas für unsere Schule?

Zum einen setzt Rosenberg zwei Symbolfiguren ein: Wolf und Giraffe. Diese sind – auch für Kinder – äußerst ansprechend und anschaulich. Zum anderen besteht das Konzept der Giraffensprachen lediglich aus 4 Schritten, die unsere Schüler erlernen müssen. Somit ist es für Kinder leicht zu erlernen. Schließlich hat sich das Konzept bewährt, denn es wird bereits in vielen Schulen mit spürbaren Erfolgen eingesetzt.

 

Wie ist das Konzept aufgebaut – wie geht es?

Zunächst werfen wir einen Blick auf die beiden Symbolfiguren.

 

Der Wolf steht für ein Verhalten, dass:

  •  immer die Kontrolle behalten will
  •  sich immer durchsetzen will
  •  sagt, wo es langgeht
  •  in Verteidigungshaltung geht, wenn man angegriffen wird

 

Rosenberg spricht hier von der Wolfsprache
 
  • ... greift an
  • ... beschuldigt den anderen mit DU-Sätzen
  • ... rechtfertig sich
  • ... entzieht sich der Konfliktsituation
Wolf

 

Die Giraffe steht für ein anderes Verhalten. Sie

  •  versetzt sich in den anderen hinein
  •  hört in sich hinein

 

Rosenberg spricht hier von der Giraffensprache = Sprache des Herzens

 

Friedliche Konfliktlösung, indem wir in der Situation fragen:

  • "Wie geht es dir? Was brauchst du?"
  • "Wie geht es mir? Was brauche ich?"
Giraffe

 

Dieses Verhalten erfordert die Fähigkeit zur Empathie und Selbstempathie. Rosenberg entschied sich für die Giraffe als Symboltier, da es das Landtier mit dem größten Herzen ist. Im übertragenen Sinne steht sie somit für ein Verhalten, das herzlich, großherzig ist und mit dem Herzen den anderen sieht.


Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Kinder in der Lage sind, die Giraffensprache anzuwenden?

Unsere Schüler lernen, Gefühle zu erkennen und über diese zu sprechen. Dazu bedarf es eines Gefühle-Wortschatzes, der in der Schule aufgebaut werden soll. Unsere Schüler lernen zudem, Bedürfnisse zu erkennen und diese in Worte zu fassen. Auch dies muss gelernt werden, Formulierungen müssen erarbeitet werden. Dies sind Ziele unseres Projektes.


Ein Beispiel, das die Wolfs- und Giraffensprache verdeutlicht:

 

Tim hat sich die ganze Zeit darauf gefreut, mit Paul in der Pause Fußball zu spielen. Er kommt allerdings erst 5 Minuten nach Pausenbeginn hinaus und sieht, dass Paul bereits mit Stefan spielt. Tim stürmt auf den Platz und schreit Paul an: „Du bist so gemein! Ich spiele nie mehr mit dir Fußball!“ Er nimmt den beiden Jungs den Fußball weg und läuft davon. Paul schreit zurück: „Du spinnst ja! Du bist nicht mehr mein Freund!“ Paul und Stefan rennen Tim hinterher. Sie versuchen, den Fußball zurückzuholen und schubsen dabei Tim auf den Boden.

 

Wolfsverhalten

 

 

Konflikt

 

Das ist konkret geplant

Wir starten das Projekt am 13. November 2018. 5 Wochen lang werden wir mit unseren Schülern 10 Module in jeweils einer DoppelstundeFüße umsetzen. Hier machen sie zunächst mit Wolf und Giraffe Bekanntschaft, lernen über Gefühle zu sprechen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen und schließlich Bitten richtig zu formulieren. Nach Abschluss der 5 Wochen wird weiter regelmäßig trainiert. Die Giraffensprache wird immer wieder Thema im Klassenrat und in Kinderkonferenzen sein. Um überprüfen zu können, ob die Giraffensprachen an unserer Schule greift, werden unsere Schüler und auch Eltern vor Beginn und nach einer gewissen Zeit einen Fragebogen bearbeiten, der uns darüber Aufschluss geben kann. In unserem Schulhaus sowie im Pausenhof werden Gesprächsecken eingerichtet, in denen sich unsere Schüler zur Konfliktlösung zurückziehen können.


Elternabend Füße

Am 23. Oktober wurden bei einem Informationsabend unsere Eltern über dieses Projekt informiert. Neben der Vorstellung des Projekts durften sie auch selber in kleinen Gruppen die Giraffensprache zu vorgegebenen Situationen anwenden. Auch Zeit für Fragen war gegeben. Hier kamen die Elternfragbögen zum Einsatz.


Wir alle freuen uns sehr auf das Projekt. Unsere Schüler sollen mit Hilfe des Projekts gelernt haben …. 

  • …, in Konflikten für die eigenen Interessen einzutreten, ohne den Konfliktpartner „runter zu machen“
  •  …, sich klar und verständlich auszudrücken
  •  …, Bewertungen in Informationen über das eigene Befinden zu übersetzen -> in Situationen nicht hineininterpretieren
  •  …, ihr Selbstwertgefühl innerhalb der Gruppe und Klasse zu stärken-> Tim müsste sich keine Sorgen machen, dass Paul nicht mehr sein

              Freund sein will!!!!

  •  …, Gefühle und Bedürfnisse zu verbalisieren
  •  …, Ich-Botschaften statt Du-Botschaften zu senden -> keine Vorwürfe!
  •  …, „Nein“ zu sagen ohne abzuwerten -> Giraffensprache heißt nicht, dass immer alle Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden!